Erfahrungsbericht - Kastration meines Rüden
Wir haben den ca. 8-jährigen Rüden Sancho im Oktober 2003 von Zwerge in Not e. V. übernommen. Ursprünglich wollten wir ihn nur als Pflegehund aufnehmen, aber dann haben wir uns so an ihn gewöhnt, dass wir ihn nicht mehr hergeben wollten.
Im Februar 2004 wurde er kastriert. Das war bei ihm medizinisch notwendig, da einer seinen Hoden sich unter der Bauchdecke befand. Der eingewachsene Hoden hätte im Körper wandern oder verkrebsen können. Die OP dauerte über eine Stunde und kurz darauf erwachte Sancho noch sehr mitgenommen aus der Narkose. Er wusste wohl nicht so recht, wie ihm geschah. „Leckaktiv“ wie er war, musste er noch am gleichen Tag einen Trichter um den Hals bekommen, da die Nähte der Wunde durch das Lecken aufplatzen hätten können. Die erste Zeit nach der OP war nicht sehr schön, da Sancho mit dem Trichter nicht zu recht kam. Sobald ich ihm ihn abnahm (zum Beispiel zum Spazieren gehen) nutzte er jede Unaufmerksamkeit von mir, sich wie besessen an den Wunden zu lecken, die sich dann auch beinah entzündeten.
Nach ca. 8 Tagen wurden die Fäden gezogen, den Trichter musste er aber noch ein paar Tage länger tragen. Doch die ersten Veränderungen in seinem Verhalten zeigten sich schon vorher. Mir wurde zwar gesagt, dass Verhaltens Änderungen frühestens nach 3-4 Monaten nach der Kastration eintreten, aber bei Sancho ging es richtig abrupt.
So änderten sich seine Essgewohnheiten: vorher war er ein Futtermäkler, jetzt schlingt er alles in sich rein, was er bekommen kann. Sogar geraspelte Karotten, die er vorher naserümpfend verschmähte. Manchmal nervt sein ständiges Betteln zwar, aber die positive Seite ist, dass ich ihn viel leichter abrufen kann als vorher, wenn ihn ein Leckerli lockt. Aber die wichtigste Verhaltensänderung ist, dass er nicht mehr so hypersexualisiert ist wie vor der Kastration. Früher hat er sich, sobald er auf einem Hundeauslauf von der Leine durfte, sofort ein hündisches „Opfer“ (meistens Weibchen, manchmal aber auch andere Rüden) gesucht und rammelte es bis zu Besessenheit. Er ließ solange nicht von ihm ab, bis entweder die belästigte Hündin nach ihm schnappte oder ich ihn einfing. Dazu musste ich regelmäßig um den halben Grundewaldsee jagen, um ihn zu kriegen. Ein Rufen mit dargebotenem Leckerli hat er gar nicht wahrgenommen. Spaziergänge mit ihm ohne Leine sind jetzt viel angenehmer und entspannter, weil er nicht mehr ständig wegläuft.
Die Begegnungen mit anderen Hunden verlaufen inzwischen auch anders. Vor der Kastration kam es öfter zu kleineren Rangeleien, da Sancho immer wieder versuchte, bei den anderen auf zureiten. Inzwischen ist er gar nicht mehr so interessiert an anderen Hunden und weicht ihnen sogar manchmal aus, bevor es zu einer Begegnung kommen kann. Und wenn sie sich beschnuppern, dann läuft er hinterher oft weg.
Außerdem ist er anhänglicher geworden. Er sucht stärker unsere Nähe und fordert seine Streicheleinheiten ein.
Ich kann nur jedem Besitzer empfehlen, seinen Rüden kastrieren zu lassen, vor allem dann, wenn er so hypersexualisiert ist. Das Zusammenleben wird so harmonischer. Viele Grüße Jenny mueller@mpib-berlin.mpg.de
Kastration von Katzen